Bildbasierte Soziale Medien gehören mittlerweile zum Alltag von Jugendlichen und auch die kritische Auseinandersetzung mit dem eigenen Medienverhalten nimmt zu. Bei der interdisziplinären Tagung #fancyLIV.ES, die vom 22.-24. Februar in Mannheim stattfand, kamen junge Menschen im Alter von 19-27 Jahren zusammen, um unter dem Titel „Emotionen auf Instagram und Co.“ ihre Mediennutzung zu hinterfragen und sich zu ihren Erfahrungen austauschen. In Vorträgen, Workshops und Diskussionsformaten traten sie ein Wochenende lang in regen Austausch mit acht Expert*innen und Influencer*innen.

Im Zuge der Veranstaltung, die von DENK GLOBAL! veranstaltet und von der BpB gefördert wurde, haben wir gesprochen mit Christin Mendel, erfolgreiche Instagrammerin und Bloggerin aus Mannheim, mit Marius Sältzer, Doktorand an der Graduate School of Economic and Social Scienes (GESS) und mit Jan C. Weyerer, Doktorand im Bereich Informations- und Kommunikationsmanagement, die Workshops zu ganz unterschiedlichen Aspekten des Themas durchgeführt haben.


1. Wie seid ihr an den Workshop herangegangen, was hat euch an der Fragestellung interessiert?

Christin: Ich bin erst seit zwei Jahren aktive Instagrammerin, und was zunächst als Hobby begann ist für mich zu einer Möglichkeit geworden mit den unterschiedlichsten Menschen zu kommunizieren. Mich interessierte im Vorfeld der Tagung v.a. die Frage, wie Jugendliche Instagram nutzen, was sie mit ihren Bildern ausdrücken wollen und wie ihnen das gelingen kann. Gleichzeitig fand ich es auch wichtig die problematischen Aspekte bei der Nutzung bildbasierter sozialer Medien zu thematisieren, wie etwa der persönliche Umgang mit Neid.

Marius: Für mich ist der Zusammenhang zwischen Ton und politischer Polarisierung eine Frage, die mich in meiner Arbeit intensiv beschäftigt. Auch wenn ich nicht mit Bildmedien arbeite, sondern mit politischen Tweets, ist das Prinzip von Emotionalität ein großer Faktor in den Sozialen Medien. Die Analyse dieser Tweets erlaubt Rückschlüsse auf die Gefühle von Tausenden von Follower*innen und damit auf die politische Stimmung.

Jan: Wir haben großen Wert darauf gelegt bei den Teilnehmenden ein Verständnis für die politischen Aspekte im Zusammenhang mit Social Media zu fördern und einen Reflexionsprozess anzustoßen. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Bedeutung von sozialen Medien und insbesondere von Instagram für die politische Kommunikation hat uns besonders interessiert, inwieweit führende Politiker*innen in Deutschland in der Lage sind mit ihren Instagram-Auftritten Emotionen und wünschenswerte Eigenschaften an die Bürger*innen zu transportieren und inwieweit empirisch fundierte Erfolgsfaktoren dabei berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang bestand ein großes Interesse unsererseits auch darin herauszufinden, wie junge Menschen diese Politiker*innen und ihre Instagram-Auftritte wahrnehmen und beurteilen und welche konkreten Verbesserungsvorschläge und Handlungsempfehlungen sie diesbezüglich sehen.


2. Ihr habt euch insbesondere mit Auswirkungen und möglichen Veränderungen durch bildbasierte Kommunikation auseinandergesetzt. Wie wirkt sich die Kommunikation auf unsere Emotionen aus bzw. welche Rolle spielen Emotionen hierbei?

Christin: Schon bei der Begrüßung konnte ich die diversen Emotionen der Teilnehmenden durch deren reale Bildsprache, in ihren Gesten und ihrer verbalen Ausdrucksweise interpretieren und mir in kurzer Zeit ein Bild der Jugendlichen erstellen. Im Workshop selbst konnte das Thema Emotionen in Bildern verdeutlicht und gezeigt werden, dass durch wenige Hacks ein Bild “sprechen” und somit interessant werden kann. Auch die Wirkung und Auswirkung von negativen Emotionen, die in bildbasierten Sozialen Medien wie Instagram oft vorkommen, können zu Stärken transformiert werden, wenn die App geschult und (selbst-)bewusst genutzt wird.

Marius: Emotionen erzeugen Aufmerksamkeit und Relevanz, ein besonders wichtiger Faktor in sozialen Medien, in denen der Kampf um Aufmerksamkeit der bestimmende Faktor ist. Die Struktur von Sozialen Medien mit ihren integrierten Belohnungssystemen verstärkt den Anreiz zum Emotionalisieren, was wiederum Auswirkungen hat auf die Art, wie Menschen kommunizieren.

Jan: Kommunikation zwischen Menschen, ob persönlich oder bildbasiert, bedeutet auch immer den Austausch von Emotionen. In der Wissenschaft spricht man in diesem Zusammenhang von Emotional Contagion oder emotionaler Ansteckung, welche ein essenzieller Baustein der menschlichen Kommunikation und Interaktion ist und uns erlaubt die Emotionen und Gefühle unserer Mitmenschen zu verstehen und zu teilen. Emotionen sind somit ein integraler Bestandteil von Kommunikation und spielen eine zentrale Rolle für den Kommunikationserfolg. Eine wichtige Voraussetzung für die emotionale Ansteckung zwischen Menschen ist dabei die Aufmerksamkeit, die wir unserem Gegenüber und seinen Emotionen schenken und die sich gerade im Kontext der fortschreitenden Digitalisierung und des Second- beziehungsweise Third-Screen-Trends immer mehr zum entscheidenden und knappen Gut entwickelt. Vor diesem Hintergrund lässt sich im Kommunikationsbereich zum einen ein Trend zur Reduktion der Kommunikation beobachten, das heißt von Brief über E-Mail und SMS zu Messenger-Kurznachrichten bis hin zu Emoticons und Fotos, und zum anderen ein Trend zur Multilevel-Kommunikation mit Schrift, Bild und Ton.


3. Wie haben die Teilnehmenden reagiert und welche Einsichten nehmt ihr aus dem Workshop mit?

Christin: Aufgrund des persönlichen und digitalen Feedbacks während und nach der Veranstaltung habe ich das Gefühl, dass die Teilnehmenden den für sie wichtigen Input mitgenommen und bereits umgesetzt haben. Bei einigen habe ich eine Veränderung in der Bild – und Contentsprache erkannt. Auch hatte ich den Eindruck, dass meine vermittelten Strategien zum Umgang mit negativen Emotionen, die Posts auslösen können, als sehr positiv und hilfreich aufgenommen wurden.

Marius: Die Jugendlichen waren vor allem offen für die Methoden, was mir gezeigt hat, dass man dieses Wissen um die sogenannte Sentiment Analysis durchaus transparenter kommunizieren kann. Die öffentliche Diskussion um Soziale Medien erschöpft sich oft in dramatisierten Allgemeinplätzen: ein Blick hinter die Kulissen von Algorithmen und Datensammlung lohnt sich für jede*n Nutzer*in.

Jan: Meinem Eindruck nach hat der Workshop den Teilnehmenden gut gefallen, sie haben engagiert miteinander über die Thematik diskutiert und zusammengearbeitet. Ich denke die zu bearbeitende Case Study war für die Jugendlichen trotz ihrer hohen Affinität zu Social Media beziehungsweise Instagram und ihrer diesbezüglich guten Kenntnisse eine Herausforderung und ungewohnte Aufgabe, weil sie eher in anderen inhaltlichen Bereichen aktiv sind. Die Aufgabe hat einen Perspektivwechsel erfordert im Sinne einer Reflexion, wie man Social Media beziehungsweise Instagram aus Sicht von Politiker*innen für politische Zwecke nutzen kann und welche Ziele mit diesem Social-Media-Auftritt erreicht werden soll. Gleichzeitig hat die Aufgabe auch politische Überlegungen aus Sicht der Teilnehmenden in ihrer Rolle als Bürger*innen zu Tage gebracht, insbesondere in Bezug auf die politische Erwartungserhaltung der Bürger*innen gegenüber Social-Media-Auftritten von Politiker*innen.

Wertvolle Erkenntnisse nehmen wir insbesondere im Hinblick auf die Frage mit, wie junge Menschen Politiker*innen und politische Kommunikation im Social-Media-Kontext wahrnehmen und wie sie deren entsprechende Präsenz beurteilen. Die Ergebnisse des Workshops verdeutlichen, dass eine hohe Diskrepanz zwischen dem Soll-Zustand und dem Ist-Zustand der Instagram-Auftritte führender Politiker*innen in Deutschland aus Sicht der Teilnehmenden besteht. Die Ergebnisse zeigen, dass junge Menschen teilweise Wert auf ganz andere Faktoren legen als die klassischen Erfolgsfaktoren, die Politiker*innen oft verfolgen. Die aus dem Workshop gewonnenen Erkenntnisse und Einsichten sind somit von besonderer Relevanz, da die Teilnehmenden des Workshops als junge Bürger*innen die primäre Zielgruppe der Instagram-Auftritte der Politiker darstellen.